Design jenseits von Trends
Da sich das Verständnis von Trends zunehmend relativiert, verändert sich auch die Art und Weise, wie Designentscheidungen getroffen werden. Anstelle der Reaktion auf das, was neu ist, rückt das in den Fokus, was Bestand hat – eine Entwicklung, die stark mit den Designverschiebungen in Richtung 2026 übereinstimmt.
Für Studio Piet Boon ist das nichts Neues. Diese Haltung bildet seit Jahren das Fundament ihres gestalterischen Denkens. Chief Design Officer Roland Kokkeler betont, dass Design klar, funktional und pur sein sollte. Dekoration um der Dekoration willen wird bewusst vermieden.
„Um zeitlos zu bleiben, setzen wir auf Funktionalität und Klarheit – das wird aus unserer Sicht immer relevant sein.“

Schlichtheit als Ausgangspunkt
Diese Denkweise führt zu einer starken Vorliebe für Schlichtheit. Nicht als stilistisches Statement, sondern als Mittel, um Ruhe und Ausgewogenheit zu schaffen. Die Form darf nie von der Funktion ablenken. Durch das Reduzieren von Komplexität entsteht Raum für Qualität – eine Qualität, die sich im täglichen Gebrauch offenbart.
Besonders deutlich wird dies in der Art und Weise, wie Studio Piet Boon mit Details umgeht. Türgriffe sind ein gutes Beispiel. Sie werden täglich Dutzende Male berührt und bilden oft den ersten physischen Kontakt mit einem Raum. Ein Griff sollte daher intuitiv wirken – präsent, aber nie dominant.
„Ein Griff begleitet dich durch den Tag. Er sollte einladen, nicht ablenken.“

Materialität und sensorische Qualität
Konsequente Designprinzipien sorgen dafür, dass – auch wenn sich Projekte unterscheiden – die zugrunde liegende Gestaltungsmotivation gleich bleibt. Studio Piet Boon folgt keinen Extremen und verspürt keinen Zwang, ständig neu zu definieren, was ‚neu‘ ist. Diese Stabilität schafft Interieurs, die Ruhe ausstrahlen und ausgewogen bleiben. Genau durch diese ruhige Basis können sich Elemente wie Kunst und Accessoires im Laufe der Zeit verändern, ohne das Gesamtbild zu stören.
Materialentscheidungen werden aus einer langfristigen Perspektive getroffen. Der erste Eindruck ist nicht ausschlaggebend – entscheidend ist, wie sich ein Material über die Zeit hinweg verhält. Gebrauchsspuren werden nicht als Qualitätsverlust gesehen, sondern als Zeichen von Leben. Eine Oberfläche, die sich durch Berührung verändert, verleiht einem Interieur Tiefe und Charakter.
Die sensorische Qualität spielt dabei eine zentrale Rolle. Gewicht, Balance und Widerstand bestimmen, wie ein Türgriff erlebt wird – oft unbewusst, aber entscheidend für das Gefühl von Raffinesse. Wenn sich etwas in der Anwendung richtig anfühlt, bleibt es relevant – unabhängig von visuellen Vorlieben oder stilistischen Strömungen.
Auch weichere Formen und abgerundete Linien folgen dieser Logik. Nicht weil sie im Trend liegen, sondern weil sie die Benutzerfreundlichkeit steigern. Eine Kurve wird nur dort eingeführt, wo eine scharfe Kante den Komfort beeinträchtigt.
Gestaltungsprinzipien mit Bestand
Nachhaltigkeit ergibt sich ganz natürlich aus diesen Entscheidungen. Designs, die angenehm in der Nutzung bleiben, würdevoll altern und keinen Ersatz benötigen, tragen auf natürliche Weise zur Langlebigkeit bei. Langlebigkeit ist dabei kein Ziel an sich, sondern das Resultat aus Liebe zum Detail und Qualität.
Auch wenn sich die Form weiterentwickelt, bleibt die zugrunde liegende Motivation unverändert.
„Unsere Designs entwickeln sich kontinuierlich – und führen doch immer zu einem ausgewogenen, konsistenten Ergebnis.“

Eine Brücke zu den Designverschiebungen 2026
Das Gespräch mit Studio Piet Boon zeigt, dass viele der Designentwicklungen in Richtung 2026 längst Teil ihrer täglichen Praxis sind. Weniger Fokus auf visuelle Statements, mehr Aufmerksamkeit für Nutzung, Materialität und sensorisches Erleben.
Während der vorherige Blog die übergeordneten Strömungen skizzierte, zeigt dieser Dialog, wie sich diese Prinzipien in konkrete Gestaltungsentscheidungen übersetzen – in Details, die keine Aufmerksamkeit fordern, aber Bestand haben.
Keine Trends zum Nachjagen, sondern Designprinzipien, die den Test der Zeit bestehen.








































